"Wer raubt hier eigentlich ...

In einer Presse-Info zum Thema "Deutsche Fallen erfüllen internationale Tierschutz-Normen" hat der Deutsche Jagdverband (DJV) am 8. April Waldtiere wie Rotfuchs und Steinmarder einmal mehr als "räuberische Säugetiere" und "Raubsäuger" bezeichnet. Das macht allerdings nicht nur die Jagdlobby so. Beispielsweise nennt auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Fuchs, Steinmarder, Waschbär und Marderhund gelegentlich "Raubsäuger" (siehe etwa unter https://nrw.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/jagd/jagdbare-arten/beutegreifer/) oder den Wolf ein "Großraubtier" (https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/artensteckbrief.html).

Formal ist das auch in Ordnung, werden doch in der faunistischen Systematik die sogenannten Carnivora als Raubtiere bezeichnet; korrekt übersetzt wären sie bloß "Fleischfresser" und so benannt, wäre in der Ordnung der Carnivora alles in bester Ordnung.

Da Sprache das Bewusstsein mitbestimmt, wie subtil auch immer, wäre es im 21. Jahrhundert längst an der Zeit, aus Raubtieren Beutegreifer oder eben Fleischfresser zu machen, gerne auch mal Jäger, selbst wenn der Deutsche Jagdverband sicherlich weder Löwen und Orkas noch Dachse oder Steinadler als Mitglieder aufnähme (wobei diese dem DJV wohl auch kaum beitreten würden).

Jedenfalls rauben sogenannte Raubtiere niemandem irgendetwas, sie stellen bloß Pflanzenfressern oder auch anderen Fleischfressern nach, um ihren Hunger zu stillen, jedenfalls in aller Regel allein zu diesem ehrbaren Zweck. WENN hier jemand anderen Lebewesen etwas raubt, dann der Mensch, zum Beispiel um sich Trophäen übers Sofa oder dekorativ in die Jagdhütte zu hängen. Oder weil erschossene Orang-Utan-Mütter keinen Widerstand mehr leisten können gegen das Ansinnen des Menschen, Orang-Babys aus Borneo oder Sumatra zu entführen, weil reiche Asiaten sich die zotteligen Dinger gerne zu Hause als prestigeträchtige Haustiere halten.

Auf den heiklen Sprachgebrauch angesprochen, hat der Pressesprecher des DJV sehr freundlich geantwortet und Folgendes mitgeteilt: "Wir haben den Begriff gewählt, da er aus dem biologischen und nicht aus dem jagdlichen Wortschatz stammt (...). Als Biologe ist der Begriff für mich gängig und ich habe dabei nicht an die Jagd gedacht. Der Begriff ´Beutegreifer` ist da schon eher der Jägersprache entlehnt."

Und entgegenkommend fügte Torsten Reinwald hinzu, er könne die Argumentation wider die vermeintlichen Raubtiere und Raubsäuger "sehr gut nachvollziehen. Fleischfresser ist eine gute Alternative, die wir bei der nächsten Meldung verwenden könnten."

Man darf gespannt sein!