Wenn Ängste plagen ...

Eine der lustigsten Ängste, von denen ich bisher gelesen habe, ist die "Reichweitenangst". Gäbe es dieses Wort nicht, müsste man es glatt erfinden.

Von dieser Angst sprach neulich zum Beispiel Fabian Gebauer vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie an der Universität Bamberg. Den Begriff verwendete er in einer Presse-Info seiner Uni, die der Frage nachging, warum wohl so wenige deutsche Autofahrer bisher ein Elektro-Auto fahren. „Viele haben vor allem Bedenken, dass das Aufladen von E-Autos sehr lange dauert und so nur begrenzte Strecken gefahren werden können. Man spricht dabei auch von Reichweitenangst", sagte Gebauer Ende Juli 2016.

Doch schon etliche vor ihm haben diesen merkwürdigen Horror erwähnt. Gerne nutzt ihn die deutsche Presse, die ohne Ängste auf einen Schlag drei Viertel ihrer ohnehin meist schrumpfenden Auflage verlöre. Ob FOCUS, ZEIT oder Deutschlandfunk: Die Reichweitenangst grassiert offenbar.

Die "Saarbrücker Zeitung" hat am 27. August 2016 die ganze Not der deutschen Autorfahrer in einer Unter-Überschrift auf den Höhepunkt gebracht: "Interessenten plagt Reichweitenangst". Gemeint sind nicht etwa in Spezialkliniken behandelte Phobiker, sondern seelisch gesunde Menschen, die unsicher sind, ob sie sich ein E-Mobil zulegen sollten statt ihrer Benzinkutsche. Nichts ist für Autofahrer erschröcklicher als das Risiko, zwölf Kilometer vor ihrem Ziel saft- und kraftlos liegenzubleiben. Wie impotent!

Wahrlich eine Plage, sich das auszumalen! Dann doch lieber weiter Sprit verbrennen.