Von Lärmemissionen und Neozoten

Wenn es Amtsdeutsch und seinen holprigen Kanzlei-Stil nicht gäbe, müsste man beides glatt erfinden. Es ist immer erhellend zu sehen, dass der beste Deutsch-Unterricht an unseren Schulen außerstande ist, Sätze wie den folgenden zu verhindern (oder bringt er sie den Kindern sogar bei?):

"Dort bestehen aufgrund ausstehender Fahrbahnsanierungen nach wie vor hohe Lärmemissionen."

Dieser verschrobene Satz stammt aus einer Pressemitteilung der Stadt Saarbrücken vom 27. Mai 2016. Mit "dort" ist der Abschnitt einer Straße gemeint, in dem weiterhin Tempo 30 gilt, wohingegen auf dem Rest der Straße wieder Tempo 50 gefahren werden kann. Doch was will uns der Satz anderes sagen als:

"Hier muss die Fahrbahn noch saniert werden, weshalb es weiterhin laut bleiben wird." Oder auch: "...weshalb dort nach wie vor mit Baulärm zu rechnen ist".

Himmel, es könnte so einfach sein! Schon weil Lärm immer eine Emission ist - ein klassischer Weißer Schimmel oder Doppelmoppel!

Abgedruckt ist der Satz übrigens in der Saarbrücker Zeitung vom 28. Mai. Diese Ausgabe enthält auch einen Leserbrief, der zwar den Abschuss der sich stark vermehrenden Nilgänse gutheißt, diesen Eingriff aber mit Verweis auf die Würde der "wunderschönen, bunten Tiere" anders bezeichnet wissen will. Das Wort "Abschuss" sei "sehr unglücklich" gewählt, merkt der Leserbrief-Autor an. Er schlägt stattdessen "Regulation" oder Erlegung" vor - ein eklatanter Aufruf zu übelstem Amtsdeutsch. Dieses wird halt nie aussterben, ebenso wenig wie die Nilgänse (sie gehören zu den sog. Neozoen, also tierischen Neubürgern in Deutschland) - trotz aller Regulation und Erlegung.

Dass die Redaktion den Leserbrief thematisch eingeordnet hat durch die Dachzeile "Neozoten" statt "Neozoen", hat es in sich. Eine Neozote kann nur eines sein: ein neuer, deftiger Witz! Wohlan.