Hochrangigst ist nur fast so schön ...

Bin ich jetzt schon sprachgefühlsduselig? Heute Morgen las ich in der "Saarbrücker Zeitung" einen aus zwei Agenturmeldungen gestrickten Artikel über den Besuch Sigmar Gabriels im Iran. Der iranische Parlamentspräsident Laridschani hat ein Treffen mit Gabriel abgesagt, weil der Bundeswirtschaftsminister den Iran aufgefordert hatte, das Existenzrecht Israels zu akzeptieren. Die Unter-Überschrift (also die Zeile unter der Schlagzeile) lautete: "Warum der hochrangigste Termin des Ministers in Teheran platzte". Im Artikel taucht dann Laridschani als "hochrangigster Gesprächspartner" Gabriels auf. Und etliche Zeitungen haben das ebenfalls unredigiert gedruckt - es kam ja schließlich von heiligen Agenturen!
https://www.welt.de/…/Gabriels-Iran-Reise-endet-mit-Affront…

So etwas verletzt mein Sprachgefühl. Und man liest es ständig: Da ist von "weitgehendster" Übereinstimmung die Rede, oder von "tiefreichenderen" Gefühlen. Doch kann etwas rangiger, reichender oder gehender sein als etwas anderes? "Hallo Herr Müller, Sie sind ja heute schon wieder viel gehender als gestern - schön zu sehen!" Läse man so etwas, würden sich einem die Haare auf der Zunge sträuben. Und zu Recht! Denn Dinge oder Zustände können allenfalls tiefer, höher oder weiter sein.
Deshalb klänge gute Sprache so: der "höchstrangige" Gesprächspartner, die "tieferreichenden" Gefühle und die "weitestgehende" Übereinstimmung. Bloß liest man das fast nie.